Ja uff erstmal...zum 100. Todestag von Karl May

Karl-May-100-todestagMit seinen Reiseerzählungen und Abenteuerromanen zog er ganze Generationen jugendlicher Leser in seinen Bann. Seine Bücher wurden in 33 Sprachen übersetzt und mit einer geschätzten weltweiten Auflage von über 200 Millionen Exemplaren gilt er als einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Am 30.März 1912, vor genau 100 Jahren, starb der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und vielen Anderen in seiner Villa Shatterhand in Radebeul bei Dresden im Alter von 70 Jahren.

Ebenso abenteuerlich wie seine Erzählungen war das Leben des am 25. Februar 1842 in Ernstthal, Schönburg-Hinterglauchau geborenen Karl Friedrich May. Geboren wurde er als fünftes von vierzehn Kindern, von denen neun bereits in den ersten Jahren verstarben, einer armen Weberfamilie aus dem Erzgebirge. Er war ein phantasievoller und begabter Schüler, der schon früh anfangen mußte eigenes Geld zu verdienen. Bei solchen Gelegenheiten bekam er auch die ersten Berichte von Heimkehrern aus der neuen Welt mit, die in der Folge seine Phantasie befeuern sollten.

Absturz und Kriminalität
Zunächst studierte May ab 1856 auf Lehramt, wurde aber nach dem Diebstahl einer Taschenuhr und der darauf folgenden Haftstrafe von der Liste der Lehramtskandidaten gestrichen. In der Folge versuchte der junge Mann seinen Lebensunterhalt als Privatlehrer und mit kleineren Erzählungen und Kompositionen auf legalem Wege zu verdienen. Doch immer wieder geriet er auf die schiefe Bahn, wurde wegen Diebstahl, Betrug und Hochstapelei steckbrieflich gesucht und verbüßte mehrere Gefängnisaufenthalte.

Schriftstellerische Laufbahn
Nach seinem letzten Gefängnisaufenthalt 1874 kehrte er zu seinen Eltern nach Ernstthal zurück und begann mit dem Schreiben. Dabei kam ihm die im Zuge der Industrialisierung aufblühende Zeitungslandschaft sehr zugute, da auf Grund der zunehmenden Alphabetisierung die Nachfrage nach geschriebener Unterhaltung rasant anstieg. Zunächst veröffentlichte er für mehrere Unterhaltungsblätter im Dresdener Raum kurze Erzählungen und Reiseberichten und bestritt so seinen kargen Lebensunterhalt. Ab 1878 arbeitete er als freier Schriftsteller und zog mit seiner Lebensgefährtin Emma Pollmer nach Dresden. Anhaltender Erfolg und wirtschaftliche Sicherheit stellten sich aber erst mit dem Orientzyklus ein, den Karl May von 1880 bis 1888 durchgehend in der katholischen Wochenzeitschrift Deutscher Hausschatz veröffentlichte. Zahlreiche weitere Geschichten und Erzählungen erschienen, teilweise unter Pseudonymen, in den verschiedensten Publikationen. Der ganz große Durchbruch erfolgte dann 1891, als ihm der Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld anbot seine Hausschatz-Erzählungen in Buchform zu veröffentlichen.

Mit zunehmenden Ruhm vermischten sich für May aber mehr und mehr Realität und Fiktion und er gab immer häufiger an die erzählten Abenteuer auch wirklich erlebt zu haben. So ließ er sich beispielsweise die legendären Gewehre seiner Romanhelden von einem einheimischen Waffenschmied nachbauen. Dabei hatte er die Schauplätze seiner Erzählungen bis dahin noch nie selbst zu Gesicht bekommen.So bereiste er erst 1899 erstmals den Orient, die USA sogar erst 1908. Bis dahin hatte er sein Wissen über die beschriebenen Orte und Länder ausschließlich aus Büchern und Reiseberichten bezogen. 

Politisch korrekt
Zwar war Karl May nicht restlos frei von den Vorurteilen seiner Epoche, doch kann er im Vergleich mit den meisten seiner Zeitgenossen als in hohem Maße politisch korrekt angesehen werden. Er engagierte sich in seinem Werk für bedrohte Völker und Kulturen und auch die Verurteilung von Sklaverei, Kolonialismus und dem sozialen Elend in seiner Heimat ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Er befasste sich eingehend mit dem Islam über den er in seinen Erzählungen detailliert, umfassend und vorurteilsfrei berichtete. Ebenso ist sein Werk von einer tiefen Religiosität und Friedensliebe gezeichnet.